revolutioniert die “elektrospieler” den blätterwald?

elektrospieler-magazin aus dem csw-verlag

pc games, gamestar, pc action oder computer bild spiele - egal wohin man schaut, überall das gleiche konzept: news, tests und previews, dazu eine kleine prise hintergrundinfos und techtalk. so sehen die spielemagazine von gestern und heute aus. und da wundert sich noch einer über die seit jahren im talfahrt-express befindlichen auflagenzahlen?! “mal ehrlich: wer braucht heutzutage das x-te heft voller tests und previews, also mit dem schwerpunkt auf aktuell-themen, wenn er das alles schon umsonst im netz findet?” - das meint journo-urgestein robert bannert in einem interview mit magaziniac. recht hat er!

und deswegen hat er sein pdf-magazin ektrospieler nun als print-fassung auf den markt gebracht. “das videospielmagazin von heute muss wie die medien, die es behandelt, vor allem eines sein: ein kunstwerk, das zum entdecken und bestaunen einlädt … ein bild- und themen-band für fans und kein verkrampftes durchhecheln der neuerscheinungen.”, so robert weiter.
seine intension ist klar: games sind kunst. kunst, die aus bildern besteht. und bilder benötigen platz. den kriegen sie in der erstausgabe der elektrospieler reichlich spendiert. wo in pc games und konsorten artworks, screenshots, wertungskasten, infografiken und auch der text auf ein-zwei seiten gequetscht werden, findet man in der elektrospieler viele seiten nur mit artworks. die texte sind luftig gestaltet und kurz gehalten, das optische erlebnis steht im vordergrund. auch das haptische, denn das mag ist auf dickem, hochwertigem papier gedruckt. eine fest für die augen und den hände also.

inhaltlich bin ich aber hin- und hergerissen. ich  begrüße es, dass tests in den hinteren teil gerutscht sind und nur einen kleinen raum einnehmen. aber berichte zu games, die bereist seit vielen monaten auf dem markt sind, das muss nicht sein! die reportagen und reportageähnlichen previews konnten mich ebenfalls nicht begeistern. denn sie sind weder eine emotionale reportage, noch eine informative preview - also weder gee noch gamestar, weder fisch noch fleisch. auch die bebilderung passt nicht ganz. klar, die großformatigen artworks sehen schick aus und unterstreichen den künstlerischen anspruch der elektrospieler. doch nur artworks ohne einen einzigen screenshot - das ist mir zu wenig.

apropos kunst: die fotostrecke zum thema  spiele-avatar gefällt mir. ob man das thema aber gothichaft à la orkus aufziehen muss … ich weiß nicht so recht. man merkt beim blättern, dass robert bannert einerseits ein hochwertiges, künstlerisches, optisch ansprechendes magazin für erwachsene schaffen will, aber andererseits seinen gothic-geschmack nicht abstreifen kann.

ganz und gar nicht gehen die comics am ende: die kleine gruftschlampe und space putze mögen  zwar viele/einige fans haben, allerdings passt weder die thematik noch der zeichenstil zur gesamtgestaltung des heftes. auch unnötig sehe ich die zwei berichte über illustratoren und künstler an. denn weder gibt es fotos von den herren, noch haben die artikel einen interessanten tiefgang. letzteres vermisse auch auch beim vers über deutsche rollenspiele.

fazit:
ein großes lob an robert bannert und den csw-verlag, dass sie es wagen, ein weiteres spielemagazin mit einem neuen ansatz herauszubringen.  die erstausgabe sieht zwar interessant und schick aus, beim genauen studieren fielen mir aber zu viele mängel auf. nicht nur deswegen befüchte  ich, dass die elektrospieler zu den todgeweihten gehört. gamer, die eine anspruchsvolles, emotionales, künstlerisch hochwertiges magazin wollen und dann auch noch auf gothic-einflüsse stehen - diese zielgruppe dürfte definitiv zu klein sein. nichtsdestotrotz wünsche ich den machern von ganzem herzen das allerbeste, und warte gespannt auf die ausgabe nr. 2!!!

kommentare 1

  1. v. schrieb:

    hab sie ja auch nur kurz überflogen (könntest mir das teil am montag mal mitbringen?), aber das mit den tests fiel negativ auf. jetzt noch eine “arkham asylum”-besprechung braucht niemand, vor allem, da print in sachen aktualität ohnehin keine ansprüche mehr gegen online durchsetzen kann. also hätte man sich auf das konzentrieren können, was offline funktioniert: zeitlose lesegeschichten, etwa über hintergründe, klassiker oder die branche selbst. überhaupt: vielleicht ist die ganze review-geschichte an sich hinfällig, die “gee” macht das schon völlig zurecht in sehr kurzen texten (und schreibt bei “mw2″ selbstkritisch “wenn ihr das lest, habt ihr es eh schon gekauft” rein). trotz allem respekt für den mut, heute noch ein gamesmag auf papier zu machen. man mag ihm erfolg wünschen - den den wird’s brauchen, sollte es länger als sechs monate überleben wollen…

    geschrieben am 26 Dez 2009 um 18:18